Über die Hintertür auf die große Bühne

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Über die Hintertür auf die große Bühne

REVERSE MERGER Immer mehr Unternehmen entscheiden sich für einen schnellen, unkomplizierten Gang an die Börse über einen Börsenmantel. An Kommunikation und Investor Relations stellt dies besondere Anforderungen.

von Doron Kaufmann, Senior Consultant, edicto GmbH

Geopolitische Spannungen, ein unsicheres wirtschaftliches Umfeld und hohe Inflationszahlen sorgten in ganz Europa in den vergangenen Jahren für Flaute bei Börsengängen. Hohe Kosten, langwierige Prozesse, verschärfte Rahmenbedingungen für Unternehmensfinanzierungen oder auch die Gefahr, beim IPO zu scheitern, stellen für viele Unternehmen eine zusätzliche Hürde dar.

In diesem Marktumfeld rücken Börsengänge über einen Börsenmantel (Reverse Merger) daher immer öfter in den Fokus von Unternehmen und Investoren, da hier kein klassischer Börsengang (IPO) durchlaufen werden muss. Bei einem Reverse Merger schlüpft der Börsenkandidat in eine bereits an der Börse gelistete AG und nutzt deren Börsenzulassung. Im Rahmen einer Sachkapitalerhöhung wird nun das neue operative Geschäft in die Gesellschaft eingebracht und die Kontrolle über das Unternehmen und seine Organe übernommen.

Hohe Transaktionssicherheit
Durch ein Reverse Merger erhalten Unternehmen unabhängig vom Börsenumfeld schnellen Zugang zum Kapitalmarkt mit hoher Transaktionssicherheit. Böse Überraschungen? Nahezu ausgeschlossen – wenn der Börsenmantel zuvor „sauber“ war.

Eine unmittelbare Kapitalaufnahme ist beim Reverse Merger üblicherweise nicht sofort vorgesehen. Für die Kommunikation bietet dies die Möglichkeit, dass erst das Feld bereitet werden kann, bevor eine Kapitalerhöhung auf der Agenda steht. Diesen Vorteil und die erhöhte Aufmerksamkeit als börsennotiertes Unternehmen gilt es zu nutzen. Geschäftsmodell, USPs, positive Meilensteine und die Wachstumsstrategie können Investoren präsentiert werden. Redundanz ist ausdrücklich erwünscht. Was im Rahmen eines klassischen IPOs in nur zwei bis drei Wochen an Investor Education geleistet werden muss, kann beim Reverse Merger auf mehrere Monate oder Quartale verteilt werden.

Unsere Erfahrung aus der Begleitung zahlreicher Manteltransaktionen/Reverse Mergers in den vergangenen Jahren zeigt, dass die Wirkung dieses Vorgehens auch deutlich größer ist. Allerdings muss gerade im ersten Jahr an der Börse stets sauber unterschieden werden zwischen den Finanzkennzahlen des Börsenmantels, die meist ohne jede Aussagekraft sind, und den operativen Zahlen der eingebrachten Gesellschaft. Die Kommunikation wird deshalb oftmals nicht ohne „als ob“-Komponenten auskommen, was aber kein Problem darstellt.

Was Vertrauen schafft
Neben der Vermittlung von Strategie und Positionierung des Unternehmens ist nach einem Reverse Merger eines der wichtigsten Ziele der IR- und PR-Aktivitäten, Interesse und damit Liquidität an der Börse für die Aktie zu generieren. Und ja, letztlich natürlich auch eine positive Kursentwicklung.

Damit wird die Basis geschaffen, bei einer später eventuell anstehenden Kapitalmaßnahme Investoren deutliche Vorteile gegenüber dem klassischen IPO anzubieten: Eine Kurshistorie, einen bereits bestehenden Marktpreis für die Aktie und ein Gespür für das Management und die Geschäftsentwicklung. Statt der Black Box beim IPO kann so eine Kapitalmaßnahme mit Track Record umgesetzt werden.

In der Kommunikation sind dabei Vertrautheit mit den einzelnen Prozessschritten und Besonderheiten eines Reverse Mergers, Kontinuität sowie die Fähigkeit, eine dauerhaft hohe Präsenz am Kapitalmarkt zu erzielen, gefragt. Das ist bei entsprechender Erfahrung in dem Bereich kein Hexenwerk, und die möglichen Vorteile eines Börsengangs per Börsenmantel können erheblich sein.

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