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Trends der HV-Saison 2026
Etwas kürzer, häufig weniger Aktionäre im Saal und breiterer Einsatz von KI: Das zeigt unsere Analyse von knapp 200 Hauptversammlungen der HV-Saison 2026.
von Christof Schwab, Director Business Development, Sales und Strategie, Computershare
Im Folgenden haben wir einige Beobachtungen, die die HV-Saison 2026 besonders geprägt haben, dargestellt. Eine vertiefende Einordnung und konkrete Handlungsempfehlungen präsentieren wir am 9. und 10. Dezember beim HV Management Seminar in Frankfurt.
HVen werden kürzer
Eine Hauptversammlung (HV) dauerte 2025 im Durchschnitt mehr als fünf Stunden, 2026 ging dieser Wert auf etwas mehr als vier Stunden zurück. Mehrere Faktoren wirken zusammen: Die Zahl der Fragen sank um rund 10 % und die Beiträge von Vorstand und Aufsichtsrat wurden kürzer. Weniger Pausen durch optimierte Backoffice-Prozesse und kürzere Leitfäden trugen ebenfalls zu einer Straffung der HVen bei.
KI verändert Fragenbearbeitung
Bei ersten HVen unterstützte KI die Erfassung und Strukturierung von Fragen sowie die Antwortvorbereitung, meist noch im Testbetrieb. Die fachliche Bewertung und Formulierung der finalen Antworten lagen weiterhin beim Emittenten. Auch Aktionäre nutzen zunehmend KI zur Vorbereitung ihrer Fragen. Bei einigen von uns begleiteten HVen führte dies zu einem deutlich erhöhten Frageaufkommen, das organisatorisch gut bewältigt werden konnte.
Physische Teilnahme nimmt ab
Bei Präsenzveranstaltungen sank die Zahl der anwesenden Aktionäre um rund 10 %. Bei virtuellen HVen blieb die Zahl der elektronisch zugeschalteten Aktionäre etwa auf Vorjahresniveau. Insgesamt trifft der Teilnehmerrückgang Präsenzveranstaltungen stärker. Emittenten sollten daher prüfen, welches Format ihre Aktionärsstruktur und ihre Kommunikationsziele am besten unterstützt. Entscheidend ist nicht allein die Zahl der Teilnehmenden, sondern ob relevante Aktionärsgruppen erreicht und wirksam in den Dialog eingebunden werden.
Digitale Reichweite gewinnt an Bedeutung
Das Interesse an HVen ist dennoch vorhanden: In einzelnen Fällen standen gut 500 Aktionären im Saal über 3.000 Zuschauern der frei zugänglichen Internetübertragung gegenüber. Emittenten können diese zusätzliche Reichweite nutzen, indem sie die Übertragung gezielt bewerben, zentrale Themen verständlich aufbereiten und so die Beteiligung interessierter Anleger fördern.
Kapitalpräsenz bleibt stabil
Trotz rückläufiger Besucherzahlen lag die Kapitalpräsenz mit knapp 75 % auf Vorjahresniveau. Weniger Aktionäre im Saal bedeuten somit nicht automatisch eine geringere Vertretung des Grundkapitals.
Widersprüche und Anträge bleiben selten
Stellungnahmen wurden bei virtuellen HVen weiterhin kaum genutzt. Eine belastbare Zu- oder Abnahme gegenüber dem Vorjahr lässt sich daher nicht feststellen.
Strategie und Governance im Fokus
Wie in den Vorjahren standen Vorstandsvergütung und Aufsichtsratswahlen im Fokus. Hinzu kamen Fragen zu geopolitischen Herausforderungen und deren Folgen für Lieferketten und Absatzmärkte. Unternehmensbezogene Fragen nahmen besonders im Automobilsektor zu, während ESG-Fragen leicht zurückgingen.
Fazit
HVen werden kürzer, aber nicht zwangsläufig einfacher. Die physische Teilnahme sinkt, die Kapitalpräsenz bleibt stabil und KI eröffnet Effizienzpotenziale. Je effizienter der Ablauf wird, desto wichtiger werden Qualität und Flexibilität der Vorbereitung.
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