Echt oder Halluzination?

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Echt oder Halluzination?

Die künstliche Intelligenz liefert schnelle, schlüssige Antworten. Doch können Anlegende diesen vertrauen und wie kann Investor Relations die Qualität unterstützen?

von Kay Bommer, DIRK - Deutscher Investor Relations Verband

Künstliche Intelligenz (KI) ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Was bisher gegoogelt wurde, wird heute direkt in ChatGPT, Copilot oder welches Tool auch immer eingegeben. Aber was, wenn die KI-Antwort gar nicht stimmt? Wenn die KI Tatsachen erfindet oder halluziniert, wie es so schön heißt.

KI kennt (noch) keine Zusammenhänge
KI bietet gigantische Möglichkeiten für Anlegende, die ihr Portfolio selbst zusammenstellen. Teils ergeben sich jedoch abenteuerliche Informationen, selbst bei eigentlich banalen Fragen. Beispielsweise, welche Unternehmen an einem bestimmten Datum ihre Hauptversammlung abhalten. Denn die KI kennt (noch) keine zeitliche Dimension und nimmt bisweilen auch Unternehmen in die Zusammenstellung auf, deren Hauptversammlung mal in irgendeinem Jahr auf dem gefragten Termin gelegen hat.

So kann es auch denen ergehen, die mithilfe von KI eigene Unternehmensanalysen erstellen wollen. Bei der Untersuchung komplexer Sachzusammenhänge wird es immer schwieriger, zu erkennen, was glaubhaft ist und wo sich die KI etwas „ausdenkt“. Das Prekäre ist, dass schlüssige Behauptungen als „wahr“ in den Raum gestellt werden. Ohne tiefergehende Recherche ist es schlicht nicht möglich, zu erkennen, ob sie stimmen.

Somit lautet die aktuell wichtigste Aufgabe für Investor Relations, sicherzustellen, dass die für die Anlageentscheidung wesentlichen, inhaltlich geprüften und gut aufbereiteten Informationen von jeweils der KI gefunden werden, die Anlegende für ihre Entscheidungen zu Rate ziehen. Es reicht nicht mehr aus, die Informationen und Kennzahlen irgendwo auf der Website zur Verfügung zu stellen. Sie müssen die technischen und inhaltlichen Voraussetzungen erfüllen, um von intelligenten Prozessen identifiziert und korrekt interpretiert zu werden.

Positive Erfahrungen
Aber Investor Relations füttert nicht nur die KI, sondern arbeitet auch selbst damit. Erste positive Erfahrungen gibt es bereits zur Nutzung von KI auf der Hauptversammlung. Beispielsweise um umfangreiche Fragenkataloge der Aktionäre schnell und präzise zu beantworten. Zwar stammen immer noch alle dann verkündeten Informationen und Antworten von den Expertinnen und Experten im Backoffice. Diesen ermöglicht jedoch die KI, die gefragten Informationen schnellstmöglich zu recherchieren.

Am Ende kontrollieren und verifizieren allerdings echte Menschen die Suchergebnisse. Denn auch in so einem geschlossenen Kreis kann die KI zu Halluzinationen neigen. Andererseits erlangt Investor Relations durch Einsätze wie diese genau die Erfahrungen, mittels derer sie die externe KI dann besser erreichen.

Ein Schub für die Aktienkultur
Wir alle müssen noch lernen, der KI die richtigen Fragen zu stellen, die Antworten zu validieren und die Quellen zu überprüfen. Wer dies beherrscht, dem eröffnen sich vollkommen neue Möglichkeiten, umfangreiche Analysen selbst zu erstellen und eigene Anlagestrategien zu verfolgen. Investor Relations nimmt dabei mehr denn je eine Schlüsselrolle ein, eine nachvollziehbare Kapitalmarktstory über alle Kanäle stringent zu vermitteln. Nur so lassen sich Interpretationsspielräume für Fake News reduzieren. Denn wie bereits erwähnt unterscheidet die KI nach jetzigem Stand wenig zwischen richtig und falsch, veraltet oder aktuell. Richtig eingesetzt hat KI jedoch das Potenzial, der Aktienkultur in Deutschland einen gewaltigen Schub zu verleihen.

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